Sonntag, 31. Januar 2016

Stoffspielerei im Januar

Schon als ich vor einem Monat das Thema dieser Stoffspielerei las, zuckte es in meinen Fingern.
Denn Perlen gehören auf jeden Fall zu meinen Lieblingsmaterialien, auch wenn ich sie in den letzten Jahren sehr vernachlässigte. Doch dazu ist die Stoffspielerei unter anderem auch gut: Techniken und Materialien ans Tageslicht zu holen!

Ich hatte die Idee, einen kleinen Vogel zu nähen und ihn mit Perlen aufzuhübschen. Vor zwei Wochen, als hier noch Schnee und Eis lag, hätte ich einen Wintervogel angefertigt. Inzwischen sind die Temperaturen gestiegen und ich bilde mir ein, es liegt schon ein winzigkleinerkaumwahrnehmbarer Frühlingsduft in der Luft. Deshalb beschloss ich, einen Vogel für "noch Winter, aber schon ein bisschen Frühling" zu nähen. Übermorgen ist ja Lichtmess-Tag und dieser Tag drückt das auch aus.
Hier also mein Lichtmess-Vogel in weiß und blassblau, aber eben mit den grünen Perlen den Frühlingshauch andeutend:

Genäht aus selbstgefilzten Filzstücken und gefüllt mit etwas Schafwolle.


Hier die kleinen Frühlingsperlen.



Drinnen und ...

draußen geduldig wartend.











Das Annähen solcher kleinen Perlen benötigt besonders dünner Nadeln.

Am Etikette könnt ihr das Alter dieser Nadeln erkennen.



Beim Heraussuchen der Materialien stolperte ich sogar über zwei Ufos, die ebenfalls mit Perlen zu tun haben. Das eine davon stellte ich heute noch fertig.







Es fehlte nur noch der Rand.



      
Das zweite Ufo bleibt noch unvollendet.



Das Spitzendeckchen vom Flohmarkt habe ich in die Wollplatte mit eingefilzt. Anschließend habe ich noch ein paar Perlen eingestickt. 




Wieder einmal hat es mir viel Freude gemacht, bei der Stoffspielerei mitzumachen. Bei fifris gibt es heute noch mehr zum Thema "Perlen" zu entdecken!


Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.


Sonntag, 24. Januar 2016

Kleines pädagogisches Wörterbuch II

Diesen Post schrieb ich im Juni des vergangenen Jahres und war irgendwie unzufrieden mit dem Geschriebenen. Heute las ich den Text noch einmal durch und fand ihn doch interessant und möchte ihn euch nicht vorenthalten. 
Beim Lesen dachte ich "Ach, das passt eigentlich sehr gut in meine Gedanken, die ich in den letzten Wochen immer wieder mitteilte." Insofern war die Wartezeit vielleicht eine Reifezeit. 
Also dann: 




Heute gibt es ein weiteres Kapitel im pädagogischen Wörterbuch.
Auf die Idee, dieses Thema  zu wählen brachte mich zum einen ein Gespräch mit Dodo und Nastjusha (im April 2015!) und danach fand ich bei Meike auch wieder einiges, das dazu passt. Witzigerweise waren die konkreten Inhalte gleich: es ging ums Sticken.

Prozess- und Ergebnisorientierung

Die Unterscheidung dieser beiden Begriffe kann im pädagogischen Alltag einen großen Unterschied bewirken. Komme ich in Kitas, in denen reihenweise gebastelte Werke der Kinder hängen, die sich vielleicht in ihrer Farbgebung unterscheiden, sonst aber relativ gleich aussehen, dann ist es meistens ein Bastelangebot, bei dem es auf ein bestimmtes Ergebnis ankommt. Alle Kinder basteln in dieser Woche einen Schneemann/Osterhasen/Frühlingsblümchen/Kürbis... Manche finden das hübsch, aber ehrlich: mit Kreativität hat das meistens nichts zu tun. Die Kinder lernen natürlich auch etwas dabei, wie Reihenfolgen zu beachten und auf der Linie zu schneiden.

Allerdings beobachtet man im Atelier, im Werkraum oder am Maltisch auch dieses: ein Kind zerschneidet mit der Schere Blatt um Blatt, es entstehen viele Schnipsel. Es schneidet und schneidet. Dann steht es auf und lässt die Schnipsel einfach liegen.
Was hat dieses Kind verfolgt? Es war am Prozess interessiert, eindeutig nicht am Ergebnis! Es war ins Schneiden vertieft, hat ausprobiert in welchem Winkel die Schere wie ausschneidet, hat vielleicht gemerkt, dass sich verschieden dicke Papiere auch unterschiedlich schneiden lassen. Nun liegt kein sichtbares Ergebnis vor, das man aufhängen und herzeigen kann, aber gelernt hat das Kind trotzdem eine Menge. Es kann danach das Material besser einschätzen, es hat seine  Handmotorik weiter verfeinert und vor allem: es konnte sich in sein Tun sinken lassen, arbeitete konzentriert und  blendete alles aus, was drum herum stattfand. Wahrscheinlich hat es sich zufrieden und glücklich gefühlt.

Beim Nachdenken über diese Unterscheidung habe ich auch immer wieder an das Nähen und Stricken gedacht.
Natürlich kann man das Arbeiten von Menschen nicht glasklar in Prozess- und Ergebnisorientierung zerteilen. Sehr oft, und das stellt vielleicht am meisten zufrieden, verbindet sich beides miteinander: Ich habe ein Ziel und arbeite Schritt für Schritt darauf zu. Wenn es mir gelingt, mich diesem Prozess auch hinzugeben, dann passieren Situationen, wo ich noch einen Schlenker mache: statt schnell den Saum fertig zu machen, nähe ich ein Schrägband an, verbessere noch einmal den Sitz des Oberteils usw. Oder sticke eine Taube an mein Kleid oder eine Borte an die Bluse.
Das kostet Zeit und ich muss dranbleiben können. Ich muss es vielleicht aushalten, das Kleid, den Rock oder sonst etwas doch nicht zum geplanten Zeitpunkt fertig zu haben.
In dem Gespräch mit Dodo und Nastjusha ging es um so kleine Details, welche ein Kleidungsstück noch einmal aufwerten und ich glaube an dieser Stelle kommt es darauf an, dass ich nicht nur ein bestimmtes Ergebnis im Kopf habe, sondern auch noch die Ruhe und Muse, mich damit länger zu beschäftigen. Wir waren uns einig, dass uns oft einfach die Zeit fehlt. Hat die Liebe zum Detail mehr mit dem Prozess, anstatt mit dem Ergebnis zu tun?

Ich merke nun bei mir selber, dass ich in den letzten drei Jahren sehr ergebnisorientiert gehandarbeitet habe. Deswegen hat es mir trotzdem Spaß gemacht, aber mir kam es schon darauf an, dass ich genügend Röcke und Strickjacken im Schrank habe, um auswählen zu können. Manchmal fehlte mir aber das Vor-mich-hin-Probieren, das Versinken in eine Technik, in eine Idee, in ein bestimmtes Tun.
Ich bin daher ein ziemlicher Fan der Stoffspielerei geworden, auch wenn ich erst zweimal mitgemacht habe (hier und hier). Aber diese Aktion hat für mich ganz viel mit dem Prozess zu tun. Daher ist der Name auch passend: Stoff-SPIEL-erei.




Wie ist das nun mit dem Glück, das man beim Tun empfindet? Wann stellt es sich ein, was begünstigt es? Ich glaube, es hat ganz viel damit zu tun, wie stark (oder verbissen) ich welchem Ziel folge. Ich kenne Situationen, da arbeite ich sehr strikt und sehr ergebnisorientiert. Das ist manchmal ganz okay, denn beim Hausputz will ich einfach irgendwann fertig sein. Beim Nähen kann das eher Fehler und Ungenauigkeiten erzeugen und vor allem genieße ich es nicht so sehr.
Hat Prozessorientierung also mehr mit Genuss zu tun?

Ich merke, dass ich eher Fragen aufgeworfen habe, anstatt erklärt und gedeutet zu haben. Aber richtige Fragen zu stellen, das ist eigentlich auch sehr pädagogisch!

Ich wünsche euch eine schöne (Arbeits-)Woche, genussvolle Prozesse und gute Ergebnisse!



Mittwoch, 13. Januar 2016

Meine Lieblingskleidung in 2015

Zweitausendfünfzehn war das Jahr, in dem ich einige Kleider genäht habe!  Das freut mich sehr, denn beim Lieblingskleid 2014 schrieb ich noch: "alle Kleider, die ich genäht habe, sind ein Satz mit X"
Das hat sich in diesem Jahr geändert und auch wenn es sich hauptsächlich um Ajaccio's handelt, bin ich sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.



Vom dritten und vierten Ajaccio gibt es noch keine Fotos.
Aber ich habe ja auch ein Kleid aus Webstoff genäht. Daran gäbe es noch einiges zu verbessern, trotzdem habe ich es ab und zu getragen. Ich weiß allerdings nicht, ob es ein Lieblingsstück wird. 


Den Schnitt "Hawthorne" finde ich aber sehr gut und für mich passend und ich würde gerne noch ein weiteres Exemplar nähen.


Aber es geht weiter mit Röcken. Da gibt es zwei Favoriten.


Dieser Rock ist sehr vielseitig kombinierbar. Im Frühling mit Jeansjacke oder hellgrüner Strickjacke und Schnürschuhen.


Im Sommer mit schwarzer Strickjacke und schwarzen Sandalen. Die Strickjacke sieht man auch im unteren Bild und das ist ein klarer Hinweis darauf, dass sie auch sehr oft im Einsatz war. 


Meinen Herbstrock liebe ich ebenfalls und er fällt schon mal auf. In einem Kaufhaus ist mir eine Verkäuferin nachgelaufen, um ihn aus der Nähe anschauen zu können!

Eine weitere geliebte Strickjacke entstand beim traditionellen Frühlingsjäckchen-Knit-Along.


Auf dem Foto sieht sie recht unscheinbar aus, aber ich trage sie gern in verschiedenen Kombinationen.

Soweit mit meinen Lieblingsstücken. Ich bin gespannt, was in diesem Jahr entsteht und natürlich auch auf die Einblicke, die heute auf dem MMM-Blog gewährt werden. 



Sonntag, 10. Januar 2016

Vom Genuss der Pause

Beim Vivienne-Westwood-Sew-Along plante ich einen Rock und einen Blazer. Den Rock bekam ich einigermaßen rechtzeitig fertig. Leider bewährte er sich nicht im Alltag.
Der Blazer, der schon jahrelang in meinem Kopf herumspukt, ist nun zu drei Viertel fertig. Und wartet auf seine Strickärmel, aber leider ist die Wolle dafür noch nicht angekommen.


Das Nähen hat mir viel Spaß gemacht und ich habe die Anleitung auch fast immer verstanden. Insofern hat das meinem Selbstbewusstsein sehr gut getan, schließlich wurde der Schnitt mit drei Punkten bei Burda bewertet. Das macht mir Mut!




Natürlich habe ich das nächste Projekt schon im Kopf. Aber ich genieße gerade die Pause. Wie schon beschrieben, möchte ich mich selbst nicht mehr so antreiben. Der Schnitt für den Rock, den so viele schon genäht haben, nämlich Lottie, HZ, Sewionista und sicher auch noch andere, der soll heute noch zusammengeklebt werden und dann geht es langsam weiter.
Denn Hallo! Ich habe ausreichend schöne Kleidung im Schrank! Und das genieße ich.



Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Auf dem MMM ist heute das WJSAL- Finale der Herzen. Außerdem kann man etwas gewinnen! Das Weihnachts-Rätsel ist aufgelöst worden. Ich habe 12 Punkte und darf mir 2 m Stoff kaufen :-)





Freitag, 1. Januar 2016

Zum neuen Jahr

Diese Zeilen gefallen mir zum neuen Jahr, sie werden Joseph Beuys zugeschrieben:

Lass Dich fallen.
Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die "ja" sagen und verteile sie überall
in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle, so hoch Du kannst
mit deiner Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere "verantwortlich zu sein",
tue es aus Liebe.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.

Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.

Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir, Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken, werde nass, umarme Bäume,
schreibe Liebesbriefe.


Auf die Frage von verschiedenen Freunden und Freundinnen, ob es bestimmte Vorhaben für 2016 gibt wusste ich wenig zu antworten.
Als Projekt fällt mir aber tatsächlich unser Garten ein, der an der einen oder anderen Ecke mal wieder etwas "Kultur" gebrauchen könnte.
Nähen möchte ich auch, natürlich. Aber ich will mir genau überlegen, was ich brauche. Und es soll sich oft um "Genuss-Nähen" handeln (dazu hier mehr).



Was ich mir von Herzen wünsche, ist Gelassenheit und die Weisheit zu unterscheiden, was jetzt wichtig ist und was nicht, was ich einfach weglassen könnte. 

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein friedvolles und behütetes neues Jahr!